Was vom Tage übrig blieb

Aus Solidarität mit den Knechten Redakteuren der Berliner Zeitung, die ich zu meiner Hauptstadtzeit sehr gerne las, gibt es hier morgen ebenfalls keine Frühausgabe.

Im übrigen hat es jetzt den nächsten erwischt.

nochn ps: mir ist gerade mit Erschrecken aufgefallen, dass ich hier mit Abstand die beschissensten Kuddelmuddel-Kategorien überhaupt habe. Steigt ja niemand mehr durch. Nicht mal mehr die Kazuo-Ishiguro-Fans. Und die sind Leid gewohnt.

Aus dem Leben eines Maskottchens (7)

Ein Teufelszeug, dieses Dibutylzinn.

\"gift\"

Was vorher geschah: AdLeM I, II, III IV, V, VI

Baron flankt auf Revierwalze

Eine Agentur hat sich Spitznamen für Fußballspieler ausdenken lassen. Hm. Aber jetzt ist auch schon alles egal.

Kommentar-Toren

Die Welt hat sie mal alle bewertet. Hier die Fazitusse:

  • Keine Hoffnung, wir passen. (Wolf-Dieter Poschmann)
  • Dabeisein sollte wirklich nicht alles sein. (Gerd Gottlob)
  • Ruhig bleiben und sich für eine Meinung entscheiden.
    (Marcel Reif)
  • Genauer hinschauen, unvoreingenommen urteilen. (Reinhold Beckmann)
  • Simon scheint über die Fähigkeit zu verfügen, eine Mannschaft so lange schlechtzureden, bis sie dann auch wirklich schlecht spielt. (Steffen Simon)
  • Ruhig auch mal dahin gehen, wo es den Spielern weh tut. (Thomas Wark)
  • Wenn ihn ein Spiel erst mal richtig gepackt hat, ist er nicht aufzuhalten. (Fritz von Thurn und Taxis)
  • Wenn Réthy wollte, könnte er auch in zig anderen Ländern die Fußballwelt erklären, weil er unglaublich viele Sprachen spricht. (Bela B. Rethy)

Ich für meinen Teil gebe jedem Off-Sabbler drei Chancen. Beim dritten Eigentor wird konsequent stummgeschaltet. Hält ja sonst keiner aus, das.

Nachtrag: Vorm Fernseher nicht vergessen, parallel Platitüden-Bingo zu spielen. via

Ohne die vier Linien

Skandal: Die Riesenmaschine verrät die obskuren Laufwege der Ukrainer schon im Voraus.

Einen paar Zusätze noch zum Thema Fatawa und Fußball:

Ihr (Moslems) dürft Fußball spielen, jedoch ohne die vier Linien auf dem Fußballplatz, weil diese Linien ursprünglich von Gottlosen und dem internationalen Gesetz entworfen wurden. Ihr dürft Fußball spielen, wenn ihr die Sprüche der Gottlosen und Polytheisten nicht benutzt, zum Beispiel „Out“, „Ecke“, „Foul“, und ähnliche.

Oder auch:

Das Fußballspiel ist immer mit Frevel verbunden, infolgedessen muss es verboten werden. Außerdem führt es zu Parteilichkeiten und Gefahren für den Körper.

Noch besser mehr:

Das Fußballspielen wird lediglich von den Geistlosen unserer Zeit ausgeübt.

Am allerbestenmeisten:

Ihr müsst andere Zahlen als diejenigen der Juden, Christen und der verfluchten Amerikaner nehmen. D. h. ihr dürft nicht 11 Spieler in einer Mannschaft haben, sondern entweder weniger oder mehr als diese. Spielt nicht 45 Minuten wie die Gottlosen, Juden, Christen und die irregeführten Clubs! Nehmt andere Spielzeiten!
Ihr dürft keinen Schiedsrichter haben. Nach der Abschaffung von „Foul“, „Ecke“, u.s.w. braucht man keinen Schiedsrichter mehr.
Wenn das Spiel vorbei ist, sprecht nie davon, wer von euch verloren und wer gewonnen hat oder wer von euch im Spielen besser als der andere war. Sondern sprecht nur von eurer Fitness.

Du kumms hier net rein

Deutschland gegen Costa Rica, eine beliebige Eck-Kneipe, irgendwo in München:

Äh, Entschuldigung, Herr … Herr Kiez-Kalle. Äh. Ist … also wäre hier vielleicht noch … also hier an Ihrem Tisch, und das ist ganz bestimmt Ihr Tisch, Herr Kalle, nicht? Also, ist … wäre hier freundlicherweise … für mich und meine Gattin, also die Rosi … nein, ihre Brüste sind echt, also könnten wir uns … nur für die Zeit des Spiels – wissen Sie, wir hatten ja Karten, sogar ganz gute … ja, der Anzug ist echt … also VIP würde ich so nicht sagen und … wie bitte? 100 Euro? Ja, also … aua … hier haben Sie das Geld … ja, Rosi sitzt gerne 90 Minuten auf meinem Schoß.

Danke, Kalle.

Schadenfreude, schönste Freude: ISE vermarktet VIP-Tickets und hat jetzt ein Riesenproblem. 300.000 Tribünenplätze könnten leer bleiben, weil die Besitzer der Karten aufgrund einer Organisationspanne nicht registriert sind.

Keine Registrierung – kein Einlass.

ISE teilte nach Angaben der Zeitung mit, sie sei vom WM-OK erst vor einem Monat darüber informiert worden, dass wegen einer Anweisung des Innenministeriums „alle Karten personalisiert sein müssten. Das OK erklärte, dass von Anfang an allen WM-Partnern klar gewesen sei, dass alle Karten personalisiert sein müssen.

Jetzt soll nachträglich erfasst werden, wofür – gelinde gesagt – die Zeit bis zum Anpfiff ziemlich knapp werden dürfte. Zudem wollen viele Gäste ihren Namen gar nicht erst hergeben.

überschrift inspiriert by rOssi

Plastiktütenfußball

Nix da Leder oder Kunststoff, sagen sich die Haitianer:

Die Plastiktüte wird mit Stoffresten gefüllt bis sie prall und rund ist. Dann wird die Tüte fest zugedreht und der überstehende Teil noch einmal über den Ball gestülpt. Das in Streifen gerissene Papier weicht man in Kleister ein und legt es dann in mehreren Schichten über den Ball.

Wie kam Bastian Schweinsteiger eigentlich zu seinem Nachnamen?

Weiß ich nich. Steht aber hier.

Deutschland vs. Luxemburg

Erkenntnisse

Jeder Stürmer hat zweimal getroffen. Borowski ist kein Ballack-Ersatz – er ist mehr als das. Arne Friedrich kann kein Fußball spielen. Niemand hat sich ernsthaft verletzt.

Und die WM-Blogger sollten sich mal Gedanken machen, wer so auf ihren Seiten ströpert. Jemand war heute hier zu Besuch, nachdem er dort vergebens nach „Luxemburg im WM-Halbfinale“ gesucht hat.

Testspiele

Schweiz – Elfenbeinküste 1:1 (1:0)
Wales – Trinidad/Tobago 2:1 (1:1)
Serbien/Montenegro – Uruguay 1:1 (1:0)
Niederlande – Kamerun 1:0 (1:0)
Frankreich – Mexiko 1:0 (1:0)

Gegner

Blindes Verständnis, Filigrantechnik, Systemvielfalt – Luxemburg ist ein echter Angstgegner.

Projektleiter

Jürgen Klinsmann in der SZ:

Wenn wir zum Beispiel hier in Genf Krafttraining machen, dann können die Spieler ihren iPod einlegen und Hip Hop hören. …
Unsere Aufgabe ist es, den Spielern klar zu machen, dass das, was jetzt kommt, nie mehr wiederkommt. …
Zu Bild habe ich gesagt: Wenn es euer Wunsch ist, aus dem Gespräch eine kleine Serie zu machen, dann ist das kein Problem. Ich hab‘ gesagt: Okay, können wir machen, aber dann betrachtet bitte die WM auch ein bisschen als euer Ding. Und wenn mir irgendetwas nicht gefällt, habe ich ja immer die Möglichkeit, die Tür wieder zuzumachen. Ich bin völlig unabhängig. …
Vielleicht kann man da in der Tat auch andere Bezeichnungen finden, Teamchef oder Projektleiter oder so.

Zum Thema Klinsmann und Bild ist zudem diese runde Geschichte empfehlenswert.

Spieler

Klose, Podolski
Schneider, Borowski, Schweinsteiger
Frings
Friedrich, Mertesacker, Nowotny, Jansen
Lehmann

Erwartungen

Nur, damit niemand mit Kleine Gegner gibt’s nich mehr oder Das Niveau hat sich angeglichen kommt: Die größten Erfolge der luxemburgischen Nationalmannschaft in den vergangenen fünf Jahren waren Unentschieden gegen Albanien, Liechtenstein, die Kapverdischen Inseln und Malta. Außerdem haben die Luxemburgianer mal drei Tore gegen Lettland geschossen und zwei gegen Spanien.

Suchen

Wie hoch isser denn, der Luxemberg?

Frisch kastrierte Bullen

Mein Soli-Beitrag für heute:

WM 2006
IRAN-ANGOLA
ich war dabei

Kontinentale Rotation

Bei mir ist es jetzt soweit.

Ich saß vor dem Fernseher, irgendwann am frühen Nachmittag. Mach ich sonst nicht, warum auch. Schon gar nicht an meinem Geburtstag. Aber die Party war erst abends, die Freundin noch auf Arbeit, und ich war ziemlich aufgeregt. An einem Juli-Nachmittag vor sechs Jahren wartete ich vor dem Fernseher auf Sepp Blatter. Das war mir davor noch nie passiert und danach auch nicht mehr. Und es wird auch nie wieder vorkommen.

Ich bin ein Turnier-Fan. Keiner, der sagt Der Beste soll gewinnen, kein Team-Fanatiker, kein Analysator oder Mode-Fan. Ich mag es, wenn sich etwas entwickelt, etwas, das mehr ist als ein Fußball-Spiel. Das Bild, welches mein Vater vom dramatischen 82er-Halbfinale Deutschland gegen Frankreich vom Schwarzweißfernseher abfotografiert hat, ist mir ebenso ins Hirn gebrannt wie der kreuzbrave Kaffeetisch, an dem wir das Finale 1986 sahen. 1990 habe ich am Radio erfahren, was deutsche Tugenden sind, 1994 lernte ich im Fernsehen die Untugenden kennen.

Ich kann Hinspiele nicht ausstehen, ziehe mir dafür aber auch das Rückspiel Rapid gegen Steaua Bukarest rein. Champions-League-Gruppenphasen interessieren mich nicht, dafür hänge ich am Radio, wenn vier Zweitligisten einen Aufsteiger ausspielen. Ich verfolge die Bundesliga meist so nebenbei, habe aber jeden verfügbaren Schnipsel über den Abstiegskrimi im Mai ’99 gelesen.

Ich wäre sehr traurig gewesen, hätte Blatter damals South Africa vorgelesen. Er tat es nicht, und schon ging es los. Von diesem 7. Juli 2000 habe ich mir drei verschiedene Zeitungen aufgehoben, ich bilde mir ein, die historische Tragweite der Entscheidung recht schnell erkannt zu haben. In den knapp sechs Jahren habe ich oft an diese WM gedacht, aus ganz verschiedenen Gründen, beruflich, privat, sportlich, metaphilosophisch oder betrunken. Ich habe viel gelesen, gesehen, gehört.

Ich bin Realist. Viel Medien, viel Werbung, viel Drumherum. Politik, Wirtschaft, Kultur. Und mittendrin Deutschland. Sechs Jahre lang. Schon klar, das. Da oben rechts steht aber nicht umsonst, dass ich mich auf die WM freue. Das ist ernst gemeint. Ich tue es seit jenem Geburtstag, der bei seiner Feier natürlich nur Sekundärthema war.

Doch bei mir ist es jetzt soweit.

Die WM kommt für mich zwei Wochen zu spät. Seit gestern spüre ich, dass mir von dieser Endrunde am meisten die Einstimmung darauf in Erinnerung bleiben wird. Egal, was in den vier Spiel-Wochen passiert. Dass ich enttäuscht sein werde, weil ja doch nur Fußball gespielt wird, weil es Langeweile geben wird, spielfreie Tage und den Alltag drumherum. Das war sonst nie ein Problem, weil die Aufmerksamkeit erst sehr viel später geweckt wurde. Aber gestern musste ich über mich selbst lachen, weil ich ernsthaft grübelte, wie schlimm der 10. Juli wohl sein würde: Grausam, leer, ein Montag.

Es ist verdammt abgegriffen, aber dennoch schaudere ich jedes Mal ein bisschen, wenn jemand dahersagt, dass die nächste WM erst im nächsten Jahrhundert hier stattfinden wird. Ein komisches Gefühl: Sechs Jahre lang damit umzugehen, dass vier Wochen lang etwas zum letzten Mal passiert. Eigentlich ist es kompletter Unsinn, denn Karten hab ich nicht, die Elfenbeinküste wohnt hier auch nicht um die Ecke und die Spiele sehe ich im Fernsehen oder auf ner Leinwand – ob die nun in München oder Timbuktu kicken, ist da einerlei.

Is wohl so’ne Kopfgeschichte.

Aber vielleicht überdenken sie die kontinentale Rotation ja noch einmal.

Les Bleux im Schnee

Da sage noch einer die deutschen Trainingsmethoden seien etwas merkwürdig.

Obwohl.

Man munkelt

Britische Hools Soldaten müssen ins Manöver.

Globel Pläja

ZDF goes Neun live.

V-Mann-Affäre

Sind Ballack und Kahn jetzt eigentlich V-Männer?

Staatsbesuch

90 Journalisten beobachten, wie 23 Fußballspieler trainieren.

Das Drama dauert neunzig Minuten

Thomas Brussig über Fußball und die Zeit.

Darf ich bitten?

pm

Sollte US-Verteidiger Pablo Mastroeni Probleme mit seinem Image bekommen, braucht er sich nicht zu wundern. Wer sich so in 1500-Dollar-Fummel ablichten lässt, ist selbst Schuld. Der schöne Pablo erinnert mich irgendwie an diesen Typen:

Das war eine Bratwurst.