Archiv der Kategorie 'Rückpass'

Danke, Gerhard

Rewind ------------ NiedersachsenNRW-Landtagswahl 2005:

Gerhard Schröder beschließt nicht, die Bundestagswahl vorzuziehen.

Forward ----------- 1. Juni 2006:

Angela Merkel ist Opposition. Schröder zittert um seine Wiederwahl. Es ist Wahlkampf. Und WM. Schröder nannte man den Fußballkanzler.

Er zeigt jetzt allen, warum.

Er hat Muskelkater vom dauernden Torwandschießen bekommen, er hat beim Prominenten-Werwirdmillionär eine halbe Million erzockt, er hat allen Widerwillen vergessen und mit Beckenbauer einen Charity-TV-Spot gedreht. Sein bekloppter Stimmenimmitator verdient sich an der Gerd-WM-Single dusslig, die SPD stellt fest, dass ihr Parteirot das des deutschen Auswärtstrikots exakt gleicht. Die konservativen Nationalkicker sabotieren das Viertelfinale, weil sie nicht wollen, dass ein zu gutes Abschneiden politische Folgen hat.

Der Bundespressesprecher wird für zwei Monate beurlaubt, weil er partout nix mehr zu sagen hat. Denn nicht nur in Wirtschaft und Kultur, sondern jetzt auch in der Politik gibt es kein anderes Thema mehr.

Aufwachen

Es wäre furchtbar geworden. Peinlich. Heuchlerisch. Populistisch bis zur Kotzgrenze. Deshalb: Danke, Gerhard. Danke, dass du uns unter anderem eine WM mit dir als Kanzler erspart hast. Denn Fans gibt es hier schon mehr als genug.

Zeitenwechsel

Früher hatten die Manager ihre Buddel Mariacron exklusiv, heute ihren iPod-Anschluss im Reisebuss.

Put your hands on mine …

… and then shout: Power!

Leudde, ich hab ein gutes Gefühl. Und was die Nationalelfdreiundzwanzig betrifft, muss ich irgendwie gerade an Christoph Daum denken.

Schönes Tor

Schön im Sinne von ästhetisch schön finde ich ja diese Fußballtore aus den 60ern und 70ern. Die hatten diese Wahnsinnstiefe, das Netz war bis etwa 15 Meter hinter die Torlinie extrem schräg gespannt, so dass der Ball nach einem Flachschuss sanft umnetzt so lange im Tor schlummerte, bis sich der armselige Torwart endlich zu ihm durchgekämpft hatte.

Leider hab ich kein adäquates Foto gefunden, falls jemand eines weiß … Bei den einschlägigen Suchmaschinen findet die Bildersuche „schön“ nur so etwas:

schoen

Na immerhin.

Ganz Russe

In der 101. Minute knallte Hurst den Ball gegen die Unterkante des Querbalkens, von wo aus er hinter die Torlinie prallte. Oder? Der Schiedsrichter befragte Bachramow, einen der Linienrichter, der – ganz Russe – ohne äußeres Anzeichen irgendwelcher Emotionen blieb und auf Tor entschied.

The Guardian über das 3:2 beim WM-Finale 1966.

Ich zitiere (22)

sm

Deutschland ist einem großen Gegener unterlegen. Diese Burschen haben es in den Beinen, Herzen und Lungen. Sie können alles! Mit dem Ball nehmen sie es in ihren besten Tagen selbst mit den ungarischen Ballkünstlern auf.

Das Sport-Magazin nach dem 0:1 Deutschlands gegen Jugoslawien bei der WM 1962 in Chile.

Dempsey & Sonneborn

Herr Blatter war natürlich sehr böse auf mich. Es gab auch aus Südafrika und anderen Ländern heftige Kritik. Ich denke aber, daß ich das Richtige getan habe.

Der Mann, der die WM nach Deutschland geholt hat, in einem älteren Interview.

Er war es aber nicht alleine. Was der andere alles dafür angestellt hat, erfährt man, klickt man hier links oben auf den Kohl, Jahr 2000, Heft 8. Dort wartet ein 13-seitiges Protokoll der schönsten Bestechung seit der Korruption Rudi Glöckners beim Finale 1970.

Parallelen

Übrigens: Bei der WM 1986 in Mexiko gelang der Finaleinzug einer jungen, unerfahrenen deutschen Mannschaft, die von einem jungen, unerfahrenen Teamchef trainiert wurde. Nur mal so.

Ich zitiere (21)

Die Deutschen überschritten oft die Grenzen der Härte. Die Anschuldigungen der deutschen Funktionäre und Journalisten bestätigten uns in der Befürchtung, daß man jenseits des Rheins den Sinn verloren hat für das, was erlaubt und das, was nicht erlaubt ist. (…) So wurden wir Zeugen des ungewohnten Schauspiels, daß die Spieler in einem Weltturnier sich prügeln wollten.

Le Figaro aus Paris zum 6:3 der Franzosen gegen die BR Deutschland bei der WM 1958 in Schweden.

Wie es früher einmal war

Kaum eine Mannschaft erstarrt mehr in Ehrfurcht, wie es früher einmal war.

Ehrfurcht is nich mehr. Aber vielleicht gewinnen die Schwarzweißen auch mal so, ganz ohne vorher Ehrfurcht zu verbreiten.

Tofik-Bachramow-Ehreneintrag

Berlin, Olympiastadion, 9. Juli 2006, 101. Minute.

tor

Deckungsaufgaben

Something very special for Mr. Robert Huth:

deck

Der Jürgen und die Königin

Good ol‘ times: Es war vor fast genau 10 Jahren, als sich die englische Königin ein bisschen in diesen enthusiastischen blonden Stolperdeutschen verguckt hatte.

jk

Ewig

In der ewigen WM-Tabelle geschnüffelt:

  • Brasilien hat am meisten: WM-Teilnahmen (17), Spiele (87), Siege (60), Tore (191)
  • Deutschland war zweimal nicht dabei, hat trotzdem nur zwei Spiele weniger, dafür aber die meisten Gegentore
  • Die meisten Niederlagen kassierte bislang Mexiko (20)
  • Portugal und Kroatien haben noch nie Unentschieden gespielt
  • Die DDR steht auf Platz 41 und wird wohl nach unten durchgereicht werden

Zidane und scharfes Chilli

Nein, der Fußball hat uns an diesem Abend nicht sonderlich interessiert. Zwar stand die WM 2002 vor der Tür und eine deutsche Mannschaft im Finale der Champions League. Aber: Bier, Blödsinn, Bayer. Leverkusen interessierte uns nicht die Bohne, der erste Becks-Kasten ging bereits in Vorruhestand und die Wohnung des bemitleidenswerten Gastgebers wurde Schritt für Schritt Tine-Wittler-mäßig generalüberholt.

Den Spaß trübte nur ein perfide scharfes Chilli con carne und Raúl, der Finalgegner Real Madrid früh in Führung brachte. Egal, noch‘n Pils, das Chilli war wirklich scheiße scharf. Das Spiel: gar nicht übel, Lucio köpfte den Ausgleich und lieferte damit den Grund für die nächste Buddel.

Kurz vor der Pause wollte der Platzwart eigentlich ein ungestörtes Zwiegespräch mit seinem aufgewühlten Magen- und Verdauungstrakt aufnehmen. Er sollte aber nicht dazu kommen. Zinedine Zidane hatte nämlich gerade das Spiel entschieden.

Ein Volleyschuss zerschmetterte Bayers Titelambitionen. Zidane hatte sich 45 Minuten lang warmgelaufen und fand es dann offenbar an der Zeit, Real wieder in Führung zu bringen. In der zweiten Halbzeit passierte noch sehr viel, aber dieser Sonntagsschuss schien Leverkusen zu lähmen: Sie rannten und drückten, sie kämpften und schossen, aber Fußball gespielt haben Ballack, Butt und Neuville nicht. Nicht in Zizous Sinne zumindest.

Der verbrachte die zweiten 45 Minuten mit dem Auslaufen. Auf dem Platz, versteht sich. Kann sein, dass er auch irgendwann ausgewechselt wurde. Der Platzwart hat das nicht mehr so richtig mitbekommen. Weil er sich Dutzende Wiederholungen von Zidanes Siegtor ansah, ja ansehen musste, weil er minutenlang den Kopf schüttelte ob der Klasse dieses Franzosen, weil er mit den anderen Betrunkenen peinliche Loblieder auf den elegantesten Fussballer seiner Zeit improvisierte, weil also der Platzwart auf sein Herz hörte statt auf seinen Magen, hatte er im Anschluss damit zu tun, seine Kotze aus der Gastgeberspüle zu kratzen und sich wieder auszunüchtern.

Zidane hört nach der WM auf. Und wer nicht glaubt, dass der Playboy auch gelesen werden kann, sollte Marcel Reifs Zidane-Porträt genießen.

Babytaschen und zwei Tickets

Hochschwanger müsste man jetzt sein …

Und jetzt: Reklame

goggo
foto_Mikos/Nutt: Als der Ball noch rund war. Sepp Herberger – ein deutsches Fußballleben. Berlin, 1998

Es war ein Schlachten …

Es war ein Schlachten, kein ritterlicher Sportkampf mehr. Es ist nicht zweifelhaft, daß die Schweizer diesen Ton in das Siel hineintrugen und Meister des versteckten Fouls waren, dem Kitzinger zum Opfer fiel, und von denen alle deutschen Spieler ein Liedchen zu singen wissen.

Der Hamburger Anzeiger kommentiert das 1:1 der Deutschen gegen die Schweiz im Achtelfinale der WM 1938 in Frankreich. Und von wegen strikter Trennung von Sport und Politik: Schweden erreichte 1938 kampflos das Viertelfinale, da das qualifizierte Österreich inzwischen ein Teil Deutschlands geworden war.