Luckenwalde zittert schon

Hinweis, der allerletzte

Der musste ja kommen: Kevin allein zu Haus.

Medien, die alten

Bild hatte mal wieder keine Ahnung. Und die ARD ist überrascht, dass solche Pressekonferenzen mittlerweile richtige Events sind. Die Zeit spricht von paradigmatischen Überraschungen, die FAZ ergötzt sich an der Vokabel Portfolio, mit der Klinsmann seinen Kader bezeichnet hat.

Fachsimpelei, die obligatorische

Auf den zweiten Blick ist die Kaderisierung Mike Hankes gar nicht mal unlogisch. Hanke ist die Nummer fünf in der Offensive. Die Wahrscheinlichkeit, einen der vor ihm gesetzten Offensivkräfte schon in der Vorrunde durch Gelbe oder Rote Karten, Verletzung oder Formschwäche zu verlieren, ist eher gering. Dann doch lieber den Abstiegskampf-erprobten Hanke als den zuletzt eher nutella-pomadigen Kuranyi. Und Kießling wäre wohl doch eine Nummer zu fett gewesen.

Ich halte Nowotny zwar für charakterschwach, aber auf dem Platz auch nicht für viel schwächer als die erwogenen Alternativen. Und sollte wirklich die Defensive patzen, soll der Boulevard doch lieber den Bayer-Abzocker als einen Nachwuchs-Spieler auseinander nehmen.

Dass gewisse Unternehmen jetzt Probleme mit einigen ihrer Spots wegen falscher Testimonials haben, wurde schon mehrfach bemerkt. Mir ist das wurscht: Wer so dumm gewesen ist und erstens viel Geld in WM-Werbung gesteckt und zweitens lange zuvor auf bestimmte Spieler gesetzt hat, der ist selber schuld.

Wer vom Personellen ins Systemische schweifen will, sollte in die Diskussion bei Alles außer Sport einsteigen oder die Südtribüne besuchen.

Blogschau, die unvollständige

Dülp vom Bolzplatz

Bei dem Angebot an Kopfball-Spezialisten im Zentrum ist der Junge [Odonkor] eine echte Spezial-Waffe als pfeilschnelle Flanken-Maschine. P.S.: Was macht Nutella eigentlich jetzt mit seiner Werbung?

dogfood bei Alles außer Sport

Ich finde den Kader gut und ich finde den Kader rund, in sich stimmig und konsequent.

Kommentar beim WM-Blogger

Da kann der Klinsi nur von Glück sagen, dass die Vorrundenspiele nicht auf Schalke stattfinden.

Nicole von Pleitegeiger

Ohne Kevin fahr‘n wir zur WM! Der kickende Kaufhaus-Detektiv muß daheim bleiben!

Trainer Baade bei kostenlos

So können sich Deisler und Kuranyi, der nun natürlich auch depressionsgefährdet ist, zusammen auf dem Sofa die WM anschauen, wo in der Halbzeitpause immer der Spot läuft, in dem sie beide als Nationalspieler für irgendwelche Produkte werben.

Matt

Klinsi war für einige Überraschungen gut. Und ehrlich gesagt: Ich kann sie nicht nachvollziehen!

Südtribüne

Wir werden nicht Weltmeister. Denn wenn die Bayern Podolski zum 1.Juli verpflichten, steht im WM-Aufgebot für das Halbfinale und das Endspiel kein Kölner. Ohne Kölner wird Deutschland allerdings nicht Weltmeister, wie die Geschichte von ’54 (Schäfer, Mebus), ’74 (Overath, Cullmann, Flohe) und ’90 (Illgner, Littbarski, Häßler, Steiner) belegt.

Die billiardenfache Wiederholung der faustdicken Überraschung hinsichtlich Odonkors Nominierung spare ich hier einfach mal aus.

Fazit, das unfachmännische

4x München, 3x Bremen, Dortmund 2x Mönchengladbach, Stuttgart, Leverkusen, 1x Schalke, Köln, Hannover, Berlin, Arsenal, Chelsea, Wolfsburg – die deutsche Nationalmannschaft 2006 ist erfreulich weit weg von irgendwelchen Blöcken, auch wenn (wahrscheinlich) drei Bayern in der Startelf spielen werden und die Gladbacher dagegen eher auf der Bank zu finden sind.

Mit Klose, Neuville, Ballack, Frings, Schneider, Nowotny und Metzelder spielen WM-erfahrene Kicker erneut um den Pott, Kehl und Kahn tragen auf der Bank dazu bei, dass das Argument Unerfahrenheit gar kein so furchtbar großes ist.

Lehmann im Tor ist gut, in der Vorrunde wird er kaum geprüft werden, in den K.o-Spielen kann dagegen ein Fehler der letzte sein – also kaum Gelegenheiten für Jensius, sich großartig auszuzeichnen. Hauptsache, er behält die Nerven.

Davon würde auch die Abwehr profitieren. Man kann nur hoffen, dass sich in den ersten drei Spielen die Klinsmannsche Wechselwut und die Sturmgewalt der Gegner im Zaum halten, auf dass die deutsche Defensiv-Moddergatsche rechtzeitig in Abwehr-Beton konvertiert. Gut auch, dass Owomoyela nicht dabei ist.

In der neuen, alten Mitte gibt es da den Ballack, der zwar alles andere als ein klassischer Spielmacher und in hohem Maße von seinen Mitspielern abhängig ist, dafür aber eine Offensivwucht sondergleichen mit sich bringt und Spiele (ob nur Vorrunde oder Finalspiele) im Zweifel umreißen und entscheiden kann. Dazu die Kraft der Jugend (Schweinsteiger, Borowski), Technik (Schneider, Hitzlsperger) und eine Prise deutsche Tugenden (Kehl) – nicht übel. Und gut, dass Ernst nicht mit dabei ist.

Zumal man immer stärker davon ausgehen kann, dass nach dem Mittelfeld auch vorne noch was kommt. Klose macht gegen Costa Rica wieder ein Dreier (wetten?), Podolski darf nur nicht zu oft denken, und krank werden darf von den beiden auch keiner – dann geht das schon. Und wenn im Viertelfinale kurz vor Schluss Odonkor noch rein kommt, dann möchte ich das überraschte Gesicht des argentinischen Verteidigers mal sehen: Wer is dat denn? Und jemanden zu nominieren, der die ersten beiden Spiele nicht darf: Alle Achtung, Jürgen, dass macht dir so schnell niemand nach. Ach so: Gut, das Kuranyi nicht mit dabei ist.

Aufgebot, das offzielle


Miroslav Klose (Bremen) Lukas Podolski (Köln)
Mike Hanke (Wolfsburg) Gerald Asamoah (Schalke) Oliver Neuville (Mönchengladbach) David Odonkor (Dortmund)

Bastian Schweinsteiger (München) Michael Ballack (München/Chelsea)
Bernd Schneider
(Leverkusen) Torsten Frings (Bremen)
Thomas Hitzlsperger (Stuttgart) Sebastian Kehl (Dortmund) Tim Borowski (Bremen)

Philipp Lahm (München) Per Mertesacker (Hannover)
Christoph Metzelder (Dortmund) Arne Friedrich (Berlin)
Robert Huth (Chelsea) Jens Nowotny (Leverkusen) Marcell Jansen (Mönchengladbach)

Jens Lehmann (Arsenal)
Oliver Kahn (München), Timo Hildebrand (Stuttgart)

Auf Abruf:
Robert Enke, Manuel Friedrich, Patrick Owomoyela, Fabian Ernst, Paul Freier, Kevin Kuranyi


2 Antworten auf „Luckenwalde zittert schon“


  1. 1 Mag 15. Mai 2006 um 13:03 Uhr

    Ob es klug war, neben Kevin Kuranyi auch ausgerechnet Patrick Owomoyela (unlängst Zielscheibe einer NPD-Hetz-Kampagne) nur „auf Abruf“ einzuplanen, nicht aber als einen der Top23-Kicker, ist fraglich. Immerhin sind aber mit Gerald Asamoah & David Odonkor zwei „Schwarze“ bzw. Dunkelhäutige dabei, mit denen ein Zeichen gegen Rassismus gesetzt wird.

  2. 2 Der Platzwart 15. Mai 2006 um 13:05 Uhr

    Genau daran wird Jürgen Klinsmann auch immer gedacht haben.

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