Archiv für Januar 2006

Blogblüte

Hier ist das erste offizielle Weblog für die WM 2006.

Oha.

Wir spielen gegen ganz leichte Gruppen.

Richtig.

Da dürfte uns ja der Sieg sicher sein.

Was soll mann da noch sagen. Nur noch singen lassen kann man da, mit den Worten des Herrn Leisegangs:

Oh Maggie, du bist so wunderschön.
Oh Maggie, mit jedem Tag hab‘ ich dich lieber.
Oh Maggie, komm‘ schon und laß‘ mich geh‘n.
Ich versprech‘ dir auch, ganz ehrlich,
Nächstes Jahr komm‘ ich wieder.

Verrückt

Deutsche Brausebrauer lassen WM-Tickets nach Polen fliegen, unsere Nachbarn revanchieren sich auf ihre Weise und schicken ihren konservativen Nachwuchs zurück.

Unterstützer

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Wenn Sie diesen Herrschaften im Juni begegnen sollten: Sie sind nur Fußballfans der Nationalmannschaft Togos.

Treffen Sie dagegen diesen Herr hier

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oder auch diesen

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, dann sind Sie irgendwo falsch abgebogen. Diese beiden unterstützen das Team Kongos, welches sich nicht qualifizieren konnte.

Leider.

Deutsche Angst

Diese Zahlen werden nach dieser Nachricht bestimmt nicht kleiner werden.

Physiologische und andere Phänomene

Mal einen ganz anderen Aspekt der allgegenwärtigen Stadiensicherheitsproblemadig beleuchtet Sportveranstalter Michael Brill:

Um ganz sicher zu gehen, dürften dann in einem Stadion für 60.000 Zuschauer nur 15.000 Besucher sein. Dann dürften Sie aber gar keine Großveranstaltung mehr machen. Aber dann dürften Sie auch in keine Kneipe mehr gehen. Auch da kann Ihnen die Decke auf den Kopf fallen.

Wie doppeldeutig. Aber Brill fährt fort und spricht darüber, was der gemeine Fan für das Stadion tun kann:

Aber auch der Gast muss sich selbst Gedanken machen und Eigenverantwortung übernehmen. Man muss weg von dem Denken, dass Regelungen und Behörden schon dafür sorgen, dass nichts passiert. Die Massenpanik ist ein psychologisches Phänomen, dort muss angesetzt werden.

Genau. Eigentlich sind die Zuschauer Schuld. Sie haben ihre Psychologie nicht im Griff und geraten bei einer Massenpanik immer gleich in Massenpanik – das typische Stadienphänomen. Aber da das Thema noch bis ins Allerletzte durchgenudelt werden wird, kann Brill davon ausgehen, dass der Gast spätestens auf dem Weg in die Panikschüsseln so seine Gedanken macht. Potentielle Fluchtwege werden während des geduldigen Wartens auf Einlass abgescannt, jede La-Ola-Welle auf ihre Gefährlichkeit überprüft (wegen Massenphänomen und so); und der nach Sport- und anderen Ereignissen übliche Zuschauerwegstrom nach dem Schluss wird durch konsequentes Ichgehschon10Minutenfrüherpassiertjaehnixmehr vermieden.
Vor lauter Eigenverantwortung kommt der brave Gast leider kaum noch dazu, sich das Fußballspiel anzuschauen. Deswegen muss er aber nicht gleich panisch werden.

Ich zitiere .9.

Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn Sie an die WM denken?
Ich freue mich vor allem, wenn sie endlich anfängt und das ganze Gerede vorher vorbei ist.

Der Mainzer Trainer Jürgen Klopp im Fernsehen.

Die Auslacher


(dpa via faz.net)

In trüben Tagen wie diesen wird deutlich, dass die Logo-Grinsebacken nicht aus purer Gastfreundschaft ihre Münder aufreißen. Sie sind – alle drei! – fiese Spießgesellen, Nichtsnutze dubiosen Ursprungs, ja Tagediebe geradezu, die wenig Gutes in ihrem bunten Schilde führen. Und dabei lachen.

Ja, sie lachen. Aber nicht fröhlich, sie lachen hämisch, höhnisch, spöttisch allen ins Gesicht, deren Arbeit derzeit – zu Recht oder ungerecht – bröckelt. Sie lachen sie aus.

Plagiatsvorwurf

Das WM-Maskottchen ursprünglich eine Jim-Henson-Puppe? Dann wäre das OK wohl endgültig geliefert.

update 17.1.: Auch das Logo und Pille sind geklaut.

Ich zitiere .8.

Ist dies [die abgesagte WM-Gala] nun die Quittung für Großmannssucht? Ein Beleg dafür, daß man Fußball auch und gerade bei einer WM Fußball sein lassen und nicht mit Erwartungen überfrachten sollte?

Ja, liebe FAZ, das ist es.

Der richtige Zeitpunkt

SW steht seit kurzem nicht nur für schwarz-weiß, sondern auch für die Stiftung Warentest. Deren Vorstand im Interview mit der Frankfurter Rundschau:

Warum haben Sie die Fußball-Stadien ausgerechnet jetzt – wenige Monate vor der Weltmeisterschaft unter die Lupe genommen?
Als Tester kommt man für den Untersuchten mit seinen Ergebnissen nie zum richtigen Zeitpunkt heraus. Hätten wir aber noch einige Wochen damit gewartet, dann wäre die Entrüstung noch größer gewesen. Denn dann hätte man uns sicherlich vorgeworfen, dass Stadionbetreiber und Veranstalter nun nicht mehr auf die Erkentnisse reagieren und Mängel abstellen könnten. Und vorher waren die meisten Bauarbeiten nicht abgeschlossen.

Dann fand also die Bundesliga-Hinrunde größtenteils in Baustellen statt? Glaube ich nicht. Und die SW musste nicht warten, bis der letzte Handlauf angemalt war, die haben die Fluchttore – so denn vorhanden – ja nicht erst zum Schluss eingebaut. Es ist und bleibt eine merkwürdige Kiste.

Ich zitiere .7.

Es ist ein Unglück. Wahrscheinlich ist Blatter eines Morgens aufgewacht und hat sich gedacht, die Kunst macht mir Probleme.

So wird es gewesen sein, André Heller, genau so. Und es ist ein Unglück. Aber nur für ihn und einige andere, die eine Menge Zeit in die WM-Gala investiert haben. Für sie muss mal jemand rausfinden, wer bei der fiefah auf die beknackte Idee kam, den armen Rasen für die Absage verantwortlich zu machen. Und die sollen den Blatter mal fragen, ob er die Gala auch mit vielleicht nur 23.200 oder auch 38.300 Zuschauern durchgezogen hätte. Wo doch bislang nicht mal 10.000 Tickets verkauft waren.

Ansonsten: It’s about the game! Und wie der Tagesspiegel hübsch bemerkte: „Die WM ist dabei, auf ein angemessenes Maß zu schrumpfen.“

Das andere Finale

Um zwischen Panikattacken und Rasendesaster mal wieder auf etwas schönere Gedanken zu kommen: Das Footage-Magazin empfiehlt diese DVD.

„The Other Final“ erzählt vom Spiel der beiden Letzplatzierten der Weltrangliste (den Verbandsnamen erwähne ich bis auf weiteres nicht mal in seiner verlautschrifteten Schreibweise). Zeitgleich zum WM-Finale 2002 wurde so auch das schlechteste Team der Welt ausgespielt.

Hübsche Idee, die ein bisschen an diese hier erinnert.

Es hat sich ausgegalat

Glaubt man der Berliner Zeitung (und das sollte man doch eigentlich können), dann fällt sie aus, die für den 7. Juni geplante und jüngst fett angekündigte WM-Gala.

Die Gründe:

…war die für rund 25 Millionen Euro geplante Veranstaltung immer teurer geworden. Zudem habe der künstlerische Leiter Andre Heller die FIFA-Verantwortlichen bei einer Präsentation am Donnerstag nicht von seinem Konzept überzeugen können. Zudem sei der Kartenverkauf für die Gala schleppend gewesen.

Andere Quellen wollen wissen, dass es Probleme mit dem Rasen im Olympiastadion gibt.

ps. Dafür verantwortlich ist nicht der Platzwart, sondern Freitag, der 13. Beide ärgern sich aber nicht über die Tatsache, dass ihr Land offenbar endlich das blöde Klischee „Organisationswunder“ los wird.

update 16.30: Auch das Zeit-Spiel und der Bolzplatz kommentieren.

update 0 Uhr: Hier der ausführliche Text der Berliner Zeitung. Bislang waren also offenbar erst 10.000 von möglichen 60.000 Karten verkauft. Aha. Die Lachnummer mit dem Rasen ist ja dann wohl eine großangelegte Leute-Verarschung der fiefah.

Blödsinn

Manchen deutschen WM-Stadien würden jetzt ein Tor gut tun.

Neues vom Sportnetzwerk

Nolookpass hat ein paar hübsche Links zu Presseberichten über das neu gegründete Sportnetzwerk. Und treffen wolln die sich bald auch alle, und zwar in Berlin, am 21. Januar. Um 10 Uhr. Wer es genau wissen will.

Fanseite ohne Forum

Ja, das geht, liebe Fußball-Fans. Ihr seid ohnehin verwöhnt von dem ganzen interaktiven Fankrams – Foren, Threads, Blogs, Kommentare, Communitys und wie das alles heißt. Euer liebes Organisationskomitee hat euch eine so genannte Fan-Seite spendiert, allerdings ohne Forum, stattdessen mit der Möglichkeit, Fragen zu stellen, die dann irgendwann auf der Website beantwortet werden. Vielleicht.

Bitte jetzt freuen.

Ein Stück vom Kuchen

di::bo berichtet vom lecker WM-Kuchen und kommentiert trefflich: Reklame, die die Welt nicht braucht.

Fluchtmöglichkeiten

Schreibunlust, daher blockquote:

Wenn die Stiftung Warentest vor ein paar Monaten die Belastbarkeit von Dächern auf Eishallen getestet hätte, wäre Bad Reichenhall ein Unglück erspart geblieben. Das sollte sich vor Augen führen, wer den Experten aus Berlin jetzt Panikmache und Profilierungssucht vorwirft. (Neue Osnabrücker Zeitung)

Die Reaktion der Mannschaft von Franz Beckenbauer mag überzogen sein, aber verständlich ist sie allemal. Die Pläne für die neuen Stadien lagen lange vor, der Bauprozess war von unzähligen Überprüfungen begleitet, in den Arenen wird inzwischen seit Monaten gespielt – da hätten die Warentester durchaus schon viel eher auf die Idee kommen können, die Sicherheit für die Fans nach eigenen Erkenntnissen zu überprüfen. (Leipziger Volkszeitung)

„Eine Versachlichung der Diskussion ist notwendig. An der Sicherheit darf nicht gespart werden. Aber mehr Ruhe und Augenmaß tun Not. Das gilt für alle. Für die, die warnen, und die, die gewarnt wurden. Gefragt ist eine nüchterne, schnelle Überprüfung. (Augsburger Allgemeine)

Trotzdem nochn Rattenschwanz: Merkwürdig diejenigen Gazetten, die per Kommentar wunderschön wichten, beruhigen, sachlich darstellen und ins rechte Licht rücken; und trotzdem mit einer protzigen Titelzeile „Rote Karte für WM-Stadien / WM-Stadien sind unsicher / Gefahr bei Massenpanik“ den wenigen Leuten, die da selbst hingehen dürfen, ein, nun ja, gewisses Unbehagen einflüstern.